Dienstag, den 31. Januar 2012 um 08:49 Uhr
Zehn Jahre Euro
Am 1. Januar 2002 wurde in der Europäischen Union der Euro als Bargeld eingeführt. Dies leitete eine gemeinsame Ausrichtung der Geldpolitik ein und verstärkte die Zusammenarbeit zwischen den Ländern des Euroraums. Während der Euro und die Wirtschafts- und Währungsunion eine solide Grundlage für den wirtschaftlichen Fortschritt
geschaffen haben, haben die Bankenkrise von 2008 und ihre Folgen das System auf eine schwere Belastungsprobe gestellt.
Dabei hat sich gezeigt, dass der Erfolg des
Euro von soliden öffentlichen Finanzen und von einer robusten makroökonomischen Politik abhängt. Die kürzlich verschärften EU-Bestimmungen zur wirtschaftspolitischen
Steuerung und Überwachung bieten schon heute eine Grundlage für die wirtschaftliche Erholung. Weiter gestärkt wird diese Basis durch einen „finanzpolitischen Pakt“, der auf dem EU-Gipfel im Dezember vereinbart wurde.
Zum zehnten Jubiläum der Euro-Bargeldeinführung hat Kommissions-Vizepräsident Olli Rehn die Europäer dazu aufgerufen, sich auf die Stärken der gemeinsamen Währung zu besinnen. Mit politischem Willen und entschlossenem Handeln könne Europa zu alter wirtschaftlicher Stärke zurückfinden. Dafür sollten sich die Europäer die Prinzipien vor Augen führen, auf denen der Euro fußt: nachhaltige öffentliche Haushalte und solides Wirtschaften.
Nach der Euro-Einführung erlebte die Eurozone auch dank der gemeinsamen Währung eine lange Phase von wirtschaftlicher Stabilität und Jahre des wirtschaftlichen Wachstums. Doch die Wirtschafts- und Finanzkrise der letzten Jahre hat gezeigt, dass der Erfolg des Euro auch von soliden öffentlichen Finanzen abhängt.
Zur Wahrung der Haushaltsdisziplin müssen Mitglieder des Euroraums strenge wirtschafts- und geldpolitische Kriterien erfüllen. Vor Ausbruch der Bankenkrise im Jahr 2008 war die Europäische Union auf dem besten Weg, diese Ziele zu erreichen. Allerdings sind in den vergangenen zehn Jahren im Eurogebiet finanzpolitische und makroökonomische Ungleichgewichte entstanden.
Ohne die Wirtschaftsund Währungsunion hätte die globale Finanzkrise in Europa eine Reihe verheerender Währungskrisen ausgelöst. Die Folgen für Volkswirtschaften,
Regierungen, Unternehmen, ja sogar den Alltag der Bürger, wären unvorstellbar gewesen. Zum zehnten Jubiläum der Einführung des Euros ist ein rasches Ende der Finanzkrise in der Europäischen Union weiter nicht in Sicht. Allerdings, trotz Schuldenkrise ist der Euro heute stärker als bei seiner Einführung. Die Krise hat die Schwächen offengelegt. Auf politischer Ebene wurden folgenschwere Fehler begangen. Wichtige Länder setzten sich über die Kriterien des Stabilitätspakts hinweg.
Mangelnde Budgetdisziplin der Mitgliedstaaten führte den Euro in eine veritable Krise. Investoren sind nicht mehr bereit, ihr Geld herzugeben, ohne dass es in den Ländern Strukturreformen gibt.
Allerdings: Totgesagte leben länger. Dieses Sprichwort kann auch in der bisher schwersten Krise der EU Hoffnung geben.